ERFOLGREICHES JAHR IM SCHLOSS

Von spannenden Begegnungen, einem Schlosshund und köstlichen Mißgeschicken

Es liegt mitten in der Stadt, vermittelt aber ein Gefühl von „außerhalb“, da es im Grünen am Rande des Olympiaberges plaziert ist, direkt neben dem Trubel der Stadt, den vorbeibrausenden Autos an der Schweren-Reiter-Straße.

Der ursprüngliche Name lautete „Theaterzelt Das Schloss“. Da hat man sich schon gefragt, was dies alles zusammen wohl zu bedeuten hat. Zurecht, denn ein Schloss ist es nicht, Theater wird zuweilen gespielt, aber nicht ausschließlich, und eine Zeltform ist zwar gegeben aber es handelt sich um einen festen Bau. Wir haben den Begriff verkürzt in „Das Schloss“, inzwischen allseits so bekannt. Einem Schloss gerecht wird es mit seiner illustren Ausstattung (Kronleuchter, gedeckte Tische, bestens gepflegt), ausgesuchte Theaterproduktionen sind hier neben Kabarett, Musik und Comedy zu sehen, und der runde Zeltcharakter sorgt für Wohlgefühl, die feste Installation zusätzlich für Sicherheit bei unwägbarem Wetter wie Orkanböen.

„Wir ziehen hier ein“, meinte Claudia Schlenger spontan nach ihrem Gastspiel bei der Premierenfeier im Schlosscafé. Aufgeregt hatte sie der Premiere entgegengefiebert, während Hanns Meilhamer dem Ereignis eher gelassen entgegensah. Es waren drei glückliche Tage für alle Beteiligten, Herbert & Schnipsi, das Publikum und das Schlossteam. Da wächst man ein wenig zusammen, ist traurig wenn es vorbei ist, bleibt der Trost, daß sie bald wiederkommen.

Günter Grünwald, bekannt als „Heimschläfer“, wie er sich selbst bezeichnet, verschwindet gerne gleich nach der Vorstellung. Das darf man nicht persönlich nehmen, es hat ihm durchaus gefallen, sein Wohlbehagen kommt halt indirekt zum Ausdruck, er ist nun mal kein „Partyhengst“. Monika Gruber dagegen mischt sich nach der Vorstellung gern in´s Publikum und erfüllt bereitwillig Autogrammwünsche. In der Pause ist in ihrer Garderobe beim Lippenstiftnachziehen Zeit für einen kleinen Ratsch. Cindy aus Marzahn wiederum genießt es, sich nach langer Reise erstmal gemütlich niederzulassen, bei einem Capuccino begegnen sich Berliner Schnauze und Bairisches.

Und so kommen sie alle gerne wieder, Sigi Schwab und Percussion Project mit der Premiere von „Ramayana“ im nächsten Dezember, Hagen Rether, Gayle Tufts, Mulo Francel und Evelyn Huber, die CelloMafia und all die anderen. Sogar Udo Kaiser, obwohl der es nicht immer leicht hatte:
Geplant waren Geschichten und Arien in Begleitung seines Pianisten „Piano, pasta, il tenore“ im gemütlichen Schlosscafé. Udo beginnt mit einer vergnüglichen Geschichte. Während seiner ersten Arie suchen Nachzügler herumirrend den besten Platz, Udo baut in seine Arie ein "Nehmen Sie Platz, wo Sie wollen".
Kurz darauf erscheint aus dem Biergarten ein älterer Herr, um am Tresen ungeniert zwei Bier zu verlangen, geneigt die Bedienung in weitere Gespräche zu verwickeln. Unverrichteter Dinge sucht er wieder Ablenkung im Biergarten.
Kaum kann Udo ungestört fortfahren, als besagter Herr es sich anders überlegt hat und aufwendig suchend quer durchs Café schließlich seinen Platz am Tisch direkt vor Udo findet. "Nehmen Sie nur ruhig Platz", trägt es Udo mit Fassung.
Als gerade wieder Ruhe einzukehren scheint, sehe ich ihn schon von weitem kommen, schnurstracks und unaufhaltsam marschiert er auf das Schloß zu, durch den Eingang und ins Café: der Zeitungs-Verkäufer. Direkt hinter Udo und vor dem Pianisten vorbei, wobei er sich anstrengen muß, denn das Keyboard ist ihm im Weg, erreicht er den Zeitungs-Ständer, füllt ihn mit neuen Zeitungen unter leichten Verrenkungen, denn auch die Musiker sind ihm im Weg, und verschwindet wieder als wäre nichts geschehen. Atemlos verfolgt das Publikum die Einlage. Dann gluckst der Saal, Udo kann seine Canzone nicht zu Ende singen, er bricht in schallendes Gelächter aus, derweilen sein musikalischer Begleiter laut raschelnd alle Notenblätter fallen läßt.

So vielfältig unser Programm ist, so abwechslungsreich ist auch die Arbeit, denn das große Zelt und das rundeste Café Münchens sind einzeln oder auch zusammen zu mieten.

Karin Greger und Rudi Bayer, die Betreiber vom Schloss, sorgen nicht nur für das Wohl aller Künstler, sie betreuen auch liebevoll und professionell jede Feier, ob Firmenfest, Hochzeit oder einen kleinen Geburtstag. Die Deko und das Buffet sind jeweils ausgerichtet nach den speziellen Wünschen.

In grauen Wintertagen hoffen wir nun schon auf einen schönen langen Sommer um unseren lauschigen Biergarten als Oase mitten im Grünen gut nutzen zu können. Die Rosen im Garten werden wieder blühen, der Flieder seinen Duft verströmen. Unsere Gäste werden sich zum Mittagsbuffet in der Sonne treffen, abends Barbecue und frische Getränke genießen, in der Zeit dazwischen sich im Liegestuhl lümmeln und einen Kaffee servieren lassen, derweilen Jule, unser Schlosshund, unverzagt den Hasen nachjagt, die auch diesen schönen Platz für sich entdeckt haben.

Marion Germer

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